Dybuster stellt sich in Norwegen neuen Herausforderungen

Sebastian Lange, gebürtiger Norweger, arbeitet seit 2019 für Dybuster und war in 2019 das Bindeglied zwischen Dybuster und dem norwegischen Staat, als es darum ging, Zuschüsse für die Entwicklung von Orthograph und Calcularis zu erhalten.
Zum einen musste Orthograph, entsprechend der zwei Schriftsprachen Nynorsk und Bokmål, umprogrammiert werden, und zum anderen hat Sebastian das Lernprogramm Calcularis übersetzt. Ebenfalls organisierte er das Calcularis Pilotprojekt zusammen mit norwegischen Schulen. Beide Lernprogramme stehen ab August 2021 den norwegischen Schulen zur Verfügung. Über diese spannende Entwicklung und von seinen Erfahrungen erzählt uns Sebastian im folgenden Interview. 

Alex: Sebastian, wie erfolgreich war das Calcularis Pilotprojekt und welche Schulen haben teilgenommen?

Sebastian: Ich denke, wir können es als sehr erfolgreich betrachten. Der Einladung zum Pilotprojekt sind zwar „nur“ drei Klassen gefolgt, aber aufgrund ihrer geografischen Lage und pädagogischen Ausrichtung können wir sagen, dass Calcularis von einer sehr unterschiedlichen Gruppe von Lernenden und Lehrpersonen getestet wurde.

Eine Schule ist an der norwegischen Westküste und liegt eher ländlich. Die zwei anderen Schulen sind direkt in Oslo. Eine davon ist recht gross und liegt in einem sehr städtischen Gebiet, ein Grossteil der Schüler*innen hat einen Migrationshintergrund. Die andere Osloer Schule verwendet eine andere Art der Klassenorganisation und wird als sehr zukunftsorientiert beschrieben, wenn es um neue Lerntechnologien und pädagogische Ideen geht.

Alex: Welche Erfahrungen hat Dybuster bei der Erprobung von Calcularis in Norwegen gesammelt?

Sebastian: Wir sind sehr froh darüber, dass Calcularis auf Norwegisch genauso gut funktioniert wie auf Deutsch und den anderen Sprachen.  
Bei den Vorbereitungen sind wir aber auf eine ganz neue Herausforderung gestossen. Die norwegischen Schulen haben ein nationales Login-System – „Feide“. Ich glaube nicht, dass es viele andere westliche Länder gibt, die eine so fortgeschrittene digitale Entwicklung haben. Wir haben also viel darüber gelernt, wie wir unsere Technologie an solche Systeme anpassen können. Das Login mit „Feide“ musste vor dem Start des Pilotprojekts eingerichtet werden, was einige unerwartete Herausforderungen mit sich brachte. Aber am Ende haben wir es geschafft, und die Pilotschulen nutzten „Feide“ während des gesamten Frühjahrssemesters. Diese Erfahrung war sehr wertvoll für uns, da ein ähnliches System in der Schweiz entwickelt wird.

Alex: Wie ist das norwegische Schulsystem im Vergleich zum Schweizer System?

Sebastian: Norwegen legt in der frühen Phase der schulischen Ausbildung weniger Wert auf die Messung von Leistungen. Glücklicherweise ist Calcularis in dieser Hinsicht sehr klug entwickelt, um in vielen verschiedenen Kulturen und Schulsystemen gut zu funktionieren. Die Kinder erfahren, was sie lernen, aber sie haben nicht das Gefühl, gemessen zu werden. Die Lehrpersonen hingegen erhalten über die Coach Funktion eine detaillierte Einsicht in die Trainingsdaten der Schüler*innen. Mithilfe der Informationen über den individuellen Wissensstand der Lernenden vereinfacht sich für die Lehrpersonen die Unterrichtsvorbereitung und sie können Schüler*innen einzeln dort abholen, wo die individuellen Stärken und Schwächen liegen.

Norwegen befindet sich auf einem guten Weg, was die Anerkennung der Notwendigkeit von Sonderunterricht, insbesondere für schwächere Schüler*innen, angeht. Eine besondere Herausforderung stellt sich aber auch hier bei der Ausbildung der Pädagog*innen.

Die Rückmeldungen der teilnehmenden Lehrpersonen zeigen, dass ihnen Calcularis geholfen hat, die besonderen Stärken und Schwächen der einzelnen Schüler*innen zu verstehen. Dieses Verständnis schafft einen enormen Mehrwert im Schulalltag und bietet die Möglichkeit Schüler*innen einzeln und individuell fördern zu können. Daher bin ich überzeugt, dass Calcularis einen sehr positiven Beitrag leisten kann. Ich denke auch, dass das Gleiche für Orthograph gilt. Dybuster bietet ein Rechtschreibprogramm, welches einzigartig auf dem norwegischen Markt sein wird.

Alex: Apropos norwegischer Markt, wie würdest du diesen beschreiben?

Sebastian: Definitiv, sehr wettbewerbsintensiv. Die Digitalisierung ist hier sehr weit fortgeschritten, und das Gleiche gilt für die E-Learning-Entwicklung im Allgemeinen. Wir sind sehr froh, dass die norwegischen Schulen aus einer Fülle von E-Learning-Optionen wählen können, und wir sind auch fest davon überzeugt, dass wir sowohl mit Orthograph als auch mit Calcularis etwas ganz Einzigartiges anbieten. Uns wurde von den Lehrpersonen, die Orthograph getestet haben, gesagt, dass sie in Norwegen kein vergleichbares Programm haben. Allein die Einteilung der norwegischen Rechtschreibung in verschiedene Schwierigkeitsstufen, mit einer Fülle von Wörtern zu jeder Stufe, ist etwas, das die meisten Schulen nicht haben. 

Alex: Welchen Mehrwert schaffen die Dybuster Lernprogramme?

Sebastian: Abgesehen davon, dass sie eine deutliche Verbesserung der Grundfertigkeiten garantieren, sowohl in Mathematik (Calcularis) als auch in der Alphabetisierung (Orthograph), sind mir keine E-Learning-Programme bekannt, die eine so detaillierte Lernübersicht für Lehrpersonen bieten. Die meisten Programme in Norwegen zeigen den Lehrpersonen nicht, bei welchen Aufgabentypen die Lernenden Fehler gemacht haben und was genau der Fehler war. Ganz zu schweigen von all den anderen detaillierten Analysen, die man mit unserer Coach Funktion erhält. Das ist etwas, das der Lehrperson und damit den Lernenden sehr hilft. Es gibt Lernprogramme, die mit der in unseren Programmen eingebauten Spielmotivation mithalten können, aber ich würde sagen, keines schafft die Balance zwischen Spielen und Lernen so gut wie diese beiden neuen Lernprogramme.

Alex: Welche Erfahrungen hast du bei der Übersetzung von Calcularis gemacht?

Sebastian: Bei allem Respekt vor der (schweizer-)deutschen Kultur, der schwierigste Teil der Übersetzungsarbeit war, die deutschen Übersetzungen zu vereinfachen. Wenn wir in Norwegen etwas mit einem Satz präzise genug sagen können, vermeiden wir es, drei zu verwenden.
Die Programme, mit ihren Spielen und Funktionen, müssen sich echt norwegisch anfühlen. Wenn sie das nicht tun, spielt es keine Rolle, wie gut die Spiele sind, die Leute, die sie benutzen, werden sich dem Produkt entfremdet fühlen. Wir haben auch die Sprecher für die Programme sehr sorgfältig ausgewählt und sind sehr zufrieden mit den Ergebnissen.

Alex: Vielen Dank, Sebastian, für deinen Einsatz und für den Austausch über deine Erfahrungen, die Dybuster Lernprogramme für die norwegischen Schulen fit zu machen. 


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