Wir haben uns so über die positiven Rückmeldungen gefreut, dass wir Ihnen das Interview mit Yvonne Götz Peter, Viola Schönenberger und Sybille Frank nicht vorenthalten wollen.

Zunächst führte Jasmin „nur“ das geplante Evaluationsgespräch mit den teilnehmenden Lehrpersonen aus der Stadt Basel. Dies entwickelte sich aber recht schnell zu einer Darstellung voller Erfolgserlebnisse mit unseren Lernprogrammen Orthograph und Calcularis. Wir möchten dabei nicht vergessen, dass es hierbei um die Entwicklung von Kindern geht, dies geht uns im Team Dybuster, als Lehrpersonen und Eltern, sehr nah. Aus diesem Grund haben wir entschieden, dass wir mit den beiden Sekundarlehrerinnen und Frau Sybille Frank, von der Fachstelle Förderung und Integration der Stadt Basel, ein weiteres Interview führen möchten.

Gerne stellen wir die beiden Lehrerinnen der Sekundarstufe kurz vor.

Yvonne Götz Peter, Sekundarlehrerin und diplomierte Lerntherapeutin (SVLT), arbeitet an einer Integrationsklasse auf der zweiten Sekundar-stufe. Dies ist eine Klasse, in der vier Schülerinnen und Schüler mit einer geistigen Beeinträchtigung integriert sind. Zwei Lehrpersonen betreuen die SuS zu je 100%.

Viola Schönenberger, Sekundarlehrerin und ausgebildete Heilpädagogin, arbeitet in einer Klasse mit 8 bis 10 SuS mit verstärkten Massnahmen.

Vielen Dank, Yvonne und Viola, für das sehr angenehme Gespräch.

Jasmin: Yvonne, warum hast du beim Dybuster Pilotprojekt mitgemacht Yvonne?

Yvonne: Ich habe die Dybuster Programme Orthograph und Calcularis schon gekannt und als Lerntherapeutin meinen Klienten empfohlen. Als Lerntherapeutin konnte ich damit riesige Erfolge verbuchen und meine Klienten, wie auch deren Eltern waren begeistert. Die Klienten hatten allesamt schon Odysseen an Lern- und Übungsprogrammen sowie viele Nachhilfestunden hinter sich. Mit den Dybuster Lernprogrammen stellte sich dann endlich ein Erfolg ein. Deswegen wollte ich die Dybuster Programme unbedingt an die Schule holen, aber leider hatten wir dafür bis anhin kein Budget. Als ich gesehen hatte, dass ein Dybuster Pilotprojekt stattfindet, wollte ich dann unbedingt mitmachen.

Jasmin: Du sprichst von der Zufriedenheit der Eltern, kannst du darüber mehr erzählen?

Yvonne: Die Arbeit von mir als Lerntherapeutin bezahlten die Eltern ja privat und sie hatten oft schon viele Sachen ausprobiert, bevor sie zu mir kamen. Sie sagten immer wieder, dass der Förderunterricht oder das zusätzliche Üben nichts nütze, und das Dybuster Programm half dann eben wirklich.

Jasmin: Das freut uns sehr zu hören. Wie sah es denn bei dir aus, Viola, warum hast du beim Pilotprojekt mitgemacht?

Viola: Ich habe die Programme Calcularis und Orthograph zuvor nicht gekannt. Jedoch war ich als Sekundarlehrerin und SHP im Fach Mathematik schon immer auf der Suche nach guten Lernaufgaben für Jugendliche, die den mathematischen Basisstoff noch nicht beherrschen. Das Angebot des Pilotprojektes kam für mich gelegen, damit ich Dybuster einmal auspro-bieren konnte. Mein Bedürfnis war es, Fördermaterial zu finden, das wirklich das mathematische Lernen fördert und den Basisstoff in den Fokus stellt. Und genau das setzt Calcularis einfach gut um.

Jasmin: Wie sieht bei euch der Einsatz der Programme konkret aus?

Yvonne: Bei mir benutzen Regelschüler*innen mit einer Dyskalkulie Calcularis 3 x 20 Minuten pro Woche, zum Teil in der Schule und zum Teil zuhause. Orthograph setzen wir ebenfalls mit einigen Regelschüler*innen ein, die eine isolierte LRS haben. Und dann üben wir natürlich mit den vier Integrations-schüler*innen. Wir arbeiten alle mit einem Wochenplan. Die SuS haben mir rückgemeldet, dass, wenn es im Wochenplan stehe, sie besser daran denken, das Training auch zuhause zu erledigen. Dybuster hat sich somit zum gemeinsamen Lerngegenstand entwickelt. Das allerschönste ist, dass jetzt sogar manchmal die Integrationsschüler*innen den Regelklassenschüler*innen etwas bei Orthograph erklären. Die Schüler*innen, welche Dybuster nicht im Wochenplan haben, sind jetzt sogar fast ein bisschen neidisch, weil sie merken, dass die Klassenkamerad*innen dies gerne machen.

Viola: Ich habe Calcularis am Anfang 3 x 20 Minuten in der Schule eingesetzt. Jetzt mache ich es 2 x 20 Minuten. Als Hausaufgaben klappt es bei manchen Schüler*innen, aber bei anderen leider nicht. Orthograph wendet meine Stellenpartnerin begleitend in der Schule an.

Jasmin: Inwiefern entlasten euch die Programme bei der individuellen Förderung?

Viola: Es gibt für mich zwei Punkte. Ein Punkt ist, dass ich mir nun sicher bin, dass die Lernenden an ihren individuellen Lücken im Bereich der Grundkompetenzen der Mathematik arbeiten. Ich habe ja die ganze Zeit gewusst, dass ich eigentlich mit ihnen einzeln am mathematischen Basisstoff arbeiten müsste, aber ich hatte nicht die Möglichkeit, diese Eins-zu-eins-Situationen zu schaffen, um ihnen die nötigen Anreize zu bieten. Und genau das bietet mir das Programm. Von zuhause aus kann ich dann die Lerndaten anschauen und mir ein genaues Bild machen, wer wo Unterstützung braucht. Ich fühle mich wirklich erleichtert, dass ich meinen SuS endlich einen so differenzierten Mathematikunterricht bieten kann.

Der zweite Punkt ist, dass ich den aktuellen Lernstand meiner SuS immer genau kenne. Somit entlastet mich das Programm bezüglich Lernstanderfassung. Ich kann diese Daten nutzen, um die individuellen Lernberichte zu schreiben.

Yvonne: Ich kann mich da Viola vollkommen anschliessen. Eine riesige Entlastung ist, dass ich die Sachen individuell einstellen und überblicken kann. Ich kann differenziert nachschauen, wie die SuS lernen und was sie lernen. Das könnte ich ohne das Programm nicht schaffen.

Sybille: Wie sieht die Individualisierung aus? Genügt die individuelle Förderung, welche das Programm automatisch vornimmt?

Viola: Ich habe das Gefühl, das Programm stellt sich gut auf den individuellen Lernstand der SuS ein. Einer meiner Schüler ist jetzt fast fertig. Gerade in den unteren Zahlenräumen passt es sich gut an. Ich frage mich jedoch was passiert, wenn sie bald fertig sind.

Yvonne: Calcularis passt sich genug gut an. Wenn das Langzeitgedächtnis stark beeinträchtigt ist, könnte Calcularis nach Abschluss wieder zurückgesetzt und noch einmal durchtrainiert werden. Danach kann die Zeit verglichen werden, wie schnell sie beim zweiten Mal das Programm fertig erarbeitet haben. Bei Orthograph haben mir die SuS von sich aus gesagt, was für zusätzliche Inhalte sie noch wollen.

Sybille: Könnt ihr etwas zur Umsetzung der Förderung und zur Wirkung speziell im Umgang mit Schülern*innen mit einer LRS, kombinierten Schwächen, mit einer kognitiven Entwicklungsverzögerung oder einer geistigen Beeinträchtigung sagen?

Yvonne: Ich arbeitete mit Schüler*innen mit einer kognitiven Beeinträchtigung, isolierter Rechtschreibstörung, Dyskalkulie und ADS. Der Schüler mit einem ADS ist wahnsinnig gut bedient mit Orthograph, weil er sich damit endlich konzentrieren kann und bei jeder Aufgabe ein unmittelbares Feedback erhält. Generell gesagt ist der Einsatz der Programme eine riesige Erleichterung für diejenigen Lehrpersonen, die keine förderdiagnostische Ausbildung haben, weil die Handhabung eigentlich relativ einfach und die Wirkung gross ist. Calcularis gibt ja genau vor, was die Schüler*innen machen müssen. Bei Orthograph muss man den Lernplan einstellen, aber damit hat es sich ja. Es ist aber wirklich ein Förderinstrument, das bei allen Schüler*innen wirksam ist.

Viola: Ich arbeite mit Schüler*innen mit LRS, kombinierte Störungen, geistige Beeinträchtigungen und Dyskalkulie. Lernende mit LRS und oder einer Dyskalkulie machen in kürzester Zeit riesige Lernfortschritte. Kinder mit einer geistigen Behinderung kommen viel langsamer vorwärts. Aber sie üben genau an dem Ort, wo sie es, gemäss ihrem Lernstand, nötig haben.

Jasmin: Inwiefern sind die Coach-Funktionen hilfreich, individuell auf Probleme und Bedürfnisse der SuS einzugehen?

Viola: Ich kann jederzeit nachschauen was die Schüler*innen machen und kann Auskunft geben, wo sie stehen. Die individuellen Schwierigkeiten erkenne ich besser und habe dadurch auch wichtige Information für andere mathematischen Aufgaben. Die Coach-Funktion gibt mir viel Informationen für die individuelle Förderung.

Yvonne: Leider habe ich den Coach zu wenig genutzt. Ich fand es aber cool, zusammen mit den Schüler*innen die Daten anzuschauen und direkt mit ihnen über die Fehler zu sprechen. Zudem habe ich etwas Handfestes, das ich ausdrucken kann. So kann ich zeigen: Hier wurde gearbeitet und das sind die Resultate! Auch den Eltern kann man schwarz auf weiss aufzeigen, wo die Schüler*innen stehen. Das ist wohltuend und gibt mir wahnsinnig viel Sicherheit.

Jasmin: Wie gut konnten die Schüler*innen selbständig mit Dybuster arbeiten?

Yvonne: Regelschüler*innen sind total begeistert und können das Programm gut handhaben.

Am Elternabend würde ich empfehlen, die Programme gut vorzustellen. Wenn die Eltern nämlich verstehen, um was es geht, wird es zuhause auch gemacht. Mit Integrationsschüler*innen machen wir das Programm ausschliesslich in der Schule.

Viola: In meiner Klasse kommt es ganz auf den Schüler oder die Schülerin an. Es gibt einige, die konnten das sehr selbständig. Bei anderen musste ich es stark begleitet einführen, dann hatte es aber auch eine enorme Wirkung.

Sybille: Mit welchen Lehr- und Fachpersonen findet eine Kooperation statt? Wie sieht diese aus? Findet diese in bereits bestehenden Strukturen statt oder habt ihr für Dybuster neue Settings bzw. Zusammenarbeitsstrukturen gestaltet?

Yvonne: Ich habe nicht mit anderen SHP zusammengearbeitet. Der Praktikant, der bei uns arbeitet, wollte plötzlich auch einen Account, um Französisch zu lernen. Die KLP war auch begeistert und wollte die Programme für die Regelschüler*innen. Sie sagte mir: “Wir brauchen dieses Programm unbedingt!”

Viola: Wir haben es im Team gemacht, meine Klassenpartnerin in Deutsch, ich in Mathe. Es ist wirklich zur Routine geworden. Zuerst war sie skeptisch. Aber jetzt ist sie Feuer und Flamme. Wir hatten einen Schüler, der nicht richtig schreiben konnte, weil er sich verweigert hatte. Nach der Arbeit mit Orthograph kann er jetzt sogar kleine Texte fehlerfrei schreiben. Ein unglaublicher Erfolg! Es wäre sehr wertvoll, wenn wir damit weiterarbeiten könnten.

Jasmin: Was sind die grössten Herausforderungen bezüglich des Einsatzes der Programme?

Viola: Für mich war dies die Organisation der Geräte. Abgesehen davon gab es keine grossen Herausforderungen. Es ist einfach zu bedienen und gut im Unterricht einsetzbar. Am Anfang war es vielleicht noch etwas schwierig, im Unterricht 3 x 20 Minuten pro Woche für das Training einzuplanen aber nur bis es sich eingespielt hatte, danach war es auch kein Thema mehr.

Jasmin: Was überzeugt euch an Dybuster?

Yvonne: Die einfache Handhabung, die klare Struktur, der Umgang mit der Lernorganisation, die differenzierte Förderdiagnostik, Individualisierung und das Lernen am gemeinsamen Gegenstand. Der krönende Abschluss ist, dass es wirklich gezielt Kompetenzen fördert, und zwar fachliche Kompetenzen.

Viola: Die individuelle Förderung vom mathematischen Basisstoff, mit Einbezug der Handlungs- und Symbolebene, überzeugt mich. Diese Förderung funktioniert und der Lernerfolg ist in kurzer Zeit ersichtlich.

Jasmin: Warum würdet ihr den Einsatz in der ganzen Klasse weiterempfehlen?

Yvonne: Wegen des Lernens am gemeinsamen Gegenstand, denn alle Lernenden können von dieser einzigartigen Lerntechnik profitieren. Es ist ein individuelles Förderinstrument für alle Regelschüler*innen, die irgendwo Mühe haben in Deutsch, Englisch, Französisch oder Mathematik.

Viola: Dybuster hebt Chancenungleichheit auf. Es müsste unbedingt für alle zugänglich sein.

Jasmin: Welche Fortschritte habt ihr während der Pilotphase festgestellt?

Viola: Wie ich schon erzählt habe, gibt es einen Jungen in meiner Klasse, der nicht gut schreiben und nicht gut lesen kann. Er weigerte sich, selbst Texte zu schreiben. Er konnte kaum einen Satz aufschreiben, zum Beispiel was er gestern gemacht hatte. Dank Dybuster kann er nun geübte Wörter richtig schreiben. Ich habe ihn dann einmal gefragt, wieso er nun diese Wörter und Sätze plötzlich schreiben könne. Er antwortete: “Ja weisst du, die im Computer sagt mir halt die Wörter so oft ich will, und irgendwann kann ich sie”. Das selbständige Arbeiten am Computer nimmt den Kindern den Stress, der Wettbewerb und der Druck fällt weg. Auch in der Mathematik beobachte ich, dass sie plötzlich zufrieden und motivierter an ihren Aufgaben arbeiten.

Yvonne: Das Schönste war heute, als eine Integrationsschülerin mit geistiger Beeinträchtigung ein ganzes Blatt mit Kettenkopfrechnungen gelöst hatte, und alles war richtig. Ich war skeptisch und habe gefragt, ob sie den Taschenrechner benutzt habe. Sie antwortete: “Nein ich kann es beweisen, ich habe Zwischenresultate auf ein Notizblatt notiert.” Mir ist nur noch das «Kinn runtergerutscht». Das ist sicher die Wirkung des Programms, weil wir sonst in unserem Unterricht nichts geändert haben.

Jasmin: Wem würdet ihr die Arbeit mit Dybuster weiterempfehlen?

Yvonne: Auf der Primarstufe würde ich Orthograph allen Kindern empfehlen. In der Sekundarschule jenen, die in Deutsch, Englisch und Französisch die schriftlichen Kompetenzen und das Lesen verbessern wollen, weil es eine ganz andere Lerntechnik ist. In Mathematik würde ich es sehr vielen empfehlen, die sich in der Primarstufe durchgemogelt haben und die Basis nicht beherrschen. An meiner Schule möchte ich es zudem unbedingt einsetzen, um die Chancengleichheit zu fördern. Es gibt kaum Fördermassnahmen für Schüler*innen mit einem Nachteilsausgleich. Das Programm würde da eine riesige Kluft schliessen.

Viola: Ich kann Yvonne nur zustimmen.

Sybille: Was waren Schüler*innenaussagen?

Yvonne: Ein Schüler mit Muttersprache Englisch hat vor sich hergesummt. Ich fragte ihn: “Was summst du denn?” Er antwortete: “Ich summe die Klänge von Dybuster, das hilft mir beim Schreiben”.

Yvonne: Eine Schülerin sagte mir: “Wenn ich jetzt Wörter schreibe, dann denke ich an die Farben.”


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